Alles Negative muss weg…

Ich habe meine liebe Mühe mit negativen Emotionen. Schon früh lernte ich, dass man negative Emotionen bekämpft, sich dagegen wehrt und vor allem immer und sofort eine Lösung dafür findet. Negative Emotionen sind Probleme, Probleme, die gelöst werden müssen. Kein Weg ist zu steinig und kein Hinderniss unüberwindbar. Mein Vater beherrscht diese Technik in Perfektion. Er sieht ein Problem, spürt eine negative Emotion und schon kämpft er dagegen an. Er wehrt sich, er sucht und findet eine Lösung und hört erst damit auf, wenn er wieder mit positiven Emotionen dasteht. Kein Abgrund ist ihm zu tief, kein Loch zu dunkel und noch viel wichtiger, kein Tag ist negativ. Auch wenn alles schief ging, nichts funktionierte, er findet das 1% Positivität. 

Ich bewundere das schon mein Leben lang. Es fühlt sich an als gäbe es kein Aushalten müssen, als könnte man jedes Problem lösen und als wäre Negativität nur eine Sache der Einstellung. Negative Gefühle assoziiere ich mit Versagen, mit einer Sache die nicht gelingt, mit Schwäche. 

Die Menschen die zu ihren negativen Gefühlen stehen, die bewundere ich aber mindestens genau so. 

Ich finde ein Mensch strahlt erst recht, wenn er seine dunkelsten Ecken zeigt, sie mitteilt, ohne Scham und ohne Bewertung der Situation.

Bewertung von Gefühlen, auch so eine Sache. Ich kenne den Automatismus des Bewertens. Schnell ist man dazu geneigt, voreilige Schlüsse zu ziehen. Auch ich bin davon ganz und gar nicht befreit. Genau so wenig wie ich von meinen negativen Emotionen befreit bin…

Ich möchte ausbrechen, die Emotionen auch bekämpfen, Herrin darüber werden, Lösungen finden und das am besten für die ganze Welt.

Einfach drauflos, einfach machen, einfach helfen, einfach Probleme lösen.

Ich kann nicht ertragen oder Dinge an mir abprallen lassen. Ich sauge sie auf, mache sie zu meiner Version und beginne zu kämpfen. Es fühlt sich so an, als würde mein Gegner nicht mitkämpfen. Denke ich darüber nach, so spüre ich die Schläge auf mir selber. Schlag um Schlag bis mein Herz bricht. Es schmerzt, es schreit, es will, dass ich aufhöre und zur Vernunft komme.

Meine Energiereserven schwinden, die Kraft lässt nach und zerstört verkrieche ich mich in eine Ecke und bemitleide mich selber. Alle negativen Emotionen, die ich einfach nur abtöten wollte, kommen mit einer unendlichen Wucht auf mich zurück, prasseln auf mich ein, ein Gefühl von Eisregen auf meiner Seele und die Hoffnung flüchtet.

Dunkelheit und Negativität sind die Bausteine meiner Höhle. Wunden lecken und weitermachen, schreit mein Verstand. Am Boden ist nur, wer das zulässt!

You see the Problem – die Geschichte beginnt von neuem…

Aushalten & Abgrenzen, zwei Dinge, die ich einfach nicht beherrsche. Oft frage ich mich, was wäre wenn wir zu Hause eine andere Kultur mit negativen Emotionen gehabt hätten, was wäre wenn Verlieren, Versagen und Aufgeben keine negative Assoziationen hätten. 

Vielleicht ist es mein Schicksal, dass ich aus dieser immer-positiven-Spirale ausbrechen muss, dass ich darüber reden muss und will, dass auch Dunkelheit dazugehört. Dort wo es am dunkelsten ist, dort kann man am meisten wachsen. Die Dunkelheit ist der Ort, wo das Licht NOCH nicht hinkommt, vielleicht auch nie hinkommen wird, aber auf jedenfall gibt es dem Licht seine Bedeutung. Das Licht kann existieren und strahlen, weil die Dunkelheit den Gegensatz dazu bildet.

Warum also nicht auch die Dunkelheit akzeptieren. Nur wenns dunkel ist sehen wir die Sterne und kann uns das Licht des Mondes den Weg weisen. Wir können uns in der Dunkelheit auf andere Sinne verlassen als wenn es hell ist. Unsere Augen sind nicht mehr die vertrauenswürdigste Quelle. Unser Hören, unser Riechen, unser Tasten und unser Schmecken werden zu unseren wichtigsten Begleitern. Wir müssen Sinnen  Aufmerksamkeit schenken, die wir bei Helligkeit meist nur nebenbei wahrnehmen. 

Könnte es also sein, dass nicht die Dunkelheit uns Angst macht, sondern das Vertrauen…

Vertrauen darauf, dass man auch in der Dunkelheit existiert, sich zurechtfindet und entdeckt. Vertrauen in sich selber und Vertrauen in das Leben.

Vertrauen als Baustein dafür, dass man fähig ist auszuhalten.

Kann man Vertrauen lernen? Kann man Vertrauen kultivieren?

Mut könnte die Antwort sein…

Mutig sein und probieren, mutig sein und sich viellecht täuschen, umfallen, Gefühle einpacken, Learnings mitnehmen und nicht aufgeben!

Mutig sein ist für jeden etwas anderes. Mut kann ganz klein sein, wie bspw. jemandem sagen, wie toll die Hose aussieht, dass der Hosenstahl offen ist oder einfach für sich selber etwas wagen. Befreien von Fesseln der Angst und von Zweifeln. Darüber reden, Scham in Luft auflösen und einfach probieren. Das Gespräch suchen, sich Menschen anvertrauen die Vorurteilslos zuhören, die gemeinsam entdecken und einem begleiten auf dem Weg des Ausprobieren, des Mutigseins.

Michelle’s Gedanken

Wie ist das Leben in den Jahren 20 – 30 ? Wie ist es, wenn man seine erste grosse Liebe verliert? Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich möglichst weit weg von Zuhause sein möchte? Wie ist es, wenn man von 20 BFFL’s (BestFriendsForLife) nur noch mit 5 Kontakt hat? Wie fühlt es sich an, wenn man merkt, dass man nicht mehr alles essen kann was man möchte, da der prognostizierte Wachstumsschub erstens nicht gekommen ist und zweitens die Chancen gegen 0 sind, dass er noch kommen wird? Was kann man tun, wenn sich Wege von Freundinnen in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelt und man merkt, dass man fast schon 2 Monate im Voraus planen muss, damit man es wieder einmal schafft, die ganze Gruppe von 6 Freundinnen zusammen zu bringen? Was passiert, wenn der Stress überhand gewinnt und plötzlich schon mit Mitte 20 so viel Dunkelheit über einem zusammen braust, dass man am Morgen am liebsten für das restliche Leben unter seiner Bettdecke verschwinden möchte? Wie fühlt es sich an, den Druck der ganzen Gesellschaft auszuhalten? Wie sorgt man dafür, dass man seinen eigenen Wert erkennt? Wie findet man seine Träume und Wünsche in einer Welt, in der alle immer besser wissen, was gut für einem ist? Wie kommt man zur Ruhe, wenn 24h, 7 Tage in der Woche Zirkus Halli Galli um einem herum spielt? Was spielen die Hormone dabei für eine Rolle? Welche Achterbahnen können wir gar nicht beeinflussen, sondern einfach nur aushalten und lieben lernen? Was tun wir, wenn wir mit jedem Schritt auf ein Ziel zu, 2 wieder zurück machen? Wie finden wir die Ziele die zu uns passen? Gibt es für jeden einen sogenannten Plan auf dieser Welt? Wie gehen wir mit Neid und Verurteilung um? Wie wird man seinem eigenen Kritiker Herr? Was kann man gegen viel zu starken Perfektionismus tun und was ist das Positive und das Negative an diesem Verhalten? Kann man es schaffen, dass man nicht jedem Extrem hinterher rennt, sondern die goldene Mitte findet? Woher soll man wissen, dass man die Richtigen Ausbildungen macht um später einmal das Leben zu führen, das man sich wünscht? Wieso hängen wir in dieser Phase unseres Lebens so fest in der Zukunft, in dem was kommen wird, statt das zu geniessen was gerade ist?

Ich bin überzeugt, mir werden noch so viele weitere Fragen in den Sinn kommen. Doch mit diesen Fragen möchte ich starten. Ziel ist es, in meinem Buch diese Fragen zu beantworten, mir Geschichten anzuhören von vielen verschiedenen Menschen die vielleicht auf einige dieser Fragen eine Antwort haben. Ich möchte die gewonnen Erkenntnisse zusammentragen und so quasi eine Bibel für das Leben zwischen dem 20igsten Lebensjahr und dem 30igsten Lebensjahr zusammenstellen, damit man merkt, dass man nicht alleine ist mit den unzähligen Fragen des Lebens.
Dieses Buch soll keine Regeln vorgeben und einem vorgaukeln, dass man ein 100% zufriedenes Leben hat, wenn man sich an alle diese Punkte hält und nach diesen Tipps und Ideen lebt. Dieses Buch soll dazu dienen, dass man merkt, dass alle Fragen gute Fragen sind, dass alle Fragen im Kopf dazu da sind gestellt zu werden und dass man nicht alleine ist damit. Wir alle gehen durch Höhen und Tiefen, denken manchmal, dass der nächste Windstoss genau der sein wird, der einfach zu viel war, und trotzdem sind wir auch die nächsten 100 Windstösse und Orkanböhen lange noch immer tapfer und stark und kommen irgendwie aus der Situation raus. Vielleicht haben wir ein tolles Umfeld, dass uns dabei unterstützt oder aber wir kämpfen uns selber aus der Situation – egal wie wir diese kritische Phase lösen, dieses Buch soll helfen.
Vielleicht wird es auch eher einen Blog, dann könnte ich regelmässig Tipps und schlaue Sachen von anderen tollen und inspirierenden Menschen weitergeben…
Wenn ich es mir so überlege, dann wäre ein Blog definitiv besser – so soll es also kein Buch sein sondern einen Blog mit dem Titel: Th’ELLE me – Geschichten verbinden